Ratgeber

Alte Elektroinstallation: Warnzeichen, dass eine Erneuerung ansteht

Vier Anzeichen zeigen, ob eine Elektroinstallation noch dem heutigen Stand entspricht — und was der viel zitierte Bestandsschutz für Ihre eigene Anlage tatsächlich bedeutet, statt nur als Schlagwort zu kursieren.

Vier Anzeichen sprechen für eine erneuerungsbedürftige Elektroinstallation: sichtbare Stoffleitungen, ein fehlender Schutzleiter oder FI-Schutzschalter, zu wenige Stromkreise für Küche und Homeoffice sowie eine Sicherung, die immer wieder auslöst. Unverändert bestehende Altinstallationen genießen dabei Bestandsschutz — erst bei einer wesentlichen Änderung an der Anlage greifen die aktuellen Normen, etwa für einen nachzurüstenden FI-Schutzschalter. Ob das bei Ihrer Anlage zutrifft, lässt sich zuverlässig nur vor Ort einschätzen, nicht anhand einer allgemeinen Liste.

Warnzeichen

Vier Warnzeichen, auf die Sie achten sollten

Kein einzelnes Anzeichen für sich ist bereits ein Grund zur Sorge. Kommen jedoch mehrere davon an derselben Anlage zusammen, lohnt sich ein genauerer Blick, bevor daraus ein größeres Problem wird.

Stoffummantelte Leitungen: Textilisolierte Kabel stammen meist aus der Zeit vor den 1960er-Jahren. Mit den Jahrzehnten wird ihre Isolierung spröde und rissig, sichtbar oft an den Enden hinter Schaltern und Dosen.

Fehlender Schutzleiter oder FI-Schutzschalter: Stromkreise ohne Schutzleiter oder ohne FI-Schutz entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik, auch wenn sie äußerlich unauffällig funktionieren.

Zu wenige Stromkreise: Induktionsherd, Homeoffice und mehrere Küchengeräte gleichzeitig überfordern häufig eine Verteilung aus einer Zeit mit deutlich weniger Verbrauchern pro Haushalt.

Häufig auslösende Sicherung: Springt ein Leitungsschutzschalter wiederholt heraus, ist das ein Symptom, dessen Ursache geklärt gehört, statt ihn immer wieder nur zurückzusetzen.

Am Zählerschrank selbst zeigt sich oft schon auf den ersten Blick, in welche Kategorie eine Anlage fällt: ein Verteiler mit wenigen alten Porzellansicherungen und ohne erkennbaren FI-Schutzschalter ist ein anderer Befund als ein moderner Schrank mit Reserveplätzen. In Hamburger Alt- und Gründerzeitbauten treffen wir bei der Bestandsaufnahme regelmäßig auf mehrere dieser Warnzeichen gleichzeitig, weil Leitungen, Dosen und Verteiler oft aus derselben Bauphase stammen.

Warum das im Alltag auffällt

Eine zu knapp bemessene Anlage zeigt sich häufig zuerst im Alltag, lange bevor jemand bewusst auf die Warnzeichen achtet: eine Mehrfachsteckdosenleiste an einer einzigen Dose, ein Föhn, der denselben Stromkreis wie der Kühlschrank belegt, oder die Frage, ob im Zählerschrank überhaupt noch Reserve für ein zusätzliches Gerät vorhanden ist. Das sind selten eigenständige Probleme, sondern meist Folgen derselben knappen Ausgangslage. Wer diese Anzeichen über längere Zeit einfach hinnimmt, verschiebt die eigentliche Ursache nur, statt sie zu klären.

Rechtslage

Bestandsschutz oder Nachrüstpflicht: was tatsächlich gilt

Der Begriff Bestandsschutz wird oft missverstanden — als Freibrief, an einer alten Anlage grundsätzlich nichts ändern zu müssen. So einfach ist es nicht, und beide Seiten der Regel sind für Ihre Planung wichtig.

Was Bestandsschutz bedeutet

Eine unverändert bestehende Altinstallation genießt Bestandsschutz. Solange niemand in die Anlage eingreift, muss sie nicht automatisch auf den heutigen Stand gebracht werden, nur weil sich die Normen seither weiterentwickelt haben.

Wann die aktuellen Normen greifen

Wird wesentlich in eine bestehende Anlage eingegriffen — etwa bei einer Erweiterung um zusätzliche Stromkreise oder einer größeren Sanierung —, gelten für den geänderten Teil die aktuellen Normen. In der Praxis betrifft das häufig die Nachrüstung eines FI-Schutzschalters oder eines Überspannungsschutzes.

Was das für Sie bedeutet

Bestandsschutz ist also kein Freibrief, aber auch kein Zwang zur sofortigen Komplettsanierung. Solange Sie nichts verändern, bleibt eine unauffällige Altinstallation zunächst, was sie ist. Sobald Sie aber ohnehin etwas an der Anlage ändern wollen, entscheidet der Umfang dieser Änderung darüber, welche Normen für den betroffenen Teil gelten.

Ob eine geplante Erweiterung, etwa für ein zusätzliches Gerät in der Küche, als wesentlicher Eingriff gilt, hängt vom Einzelfall ab. Zuverlässig lässt sich das nur anhand der konkreten Anlage vor Ort einschätzen, nicht pauschal am Telefon.

Das können Sie selbst prüfen

Ob eine ausgelöste Sicherung nach dem einmaligen Zurücksetzen wieder anspringt, ob Steckdosen oder Schalter sichtbar Stoffleitungen zeigen und ob für Herd, Waschmaschine und Homeoffice überhaupt getrennte Stromkreise vorhanden sind — das lässt sich mit bloßem Auge einschätzen, ohne ein Werkzeug in die Hand zu nehmen. Auch ein Blick von außen auf den Zählerschrank, etwa ob dort ein FI-Schutzschalter überhaupt beschriftet ist, gehört noch dazu.

Hier braucht es die Elektrofachkraft

Der Blick in den geöffneten Verteiler, die Nachrüstung eines Schutzleiters oder FI-Schutzschalters und jeder weitere Eingriff in die feste Elektroinstallation sind nach NAV §13 der Elektrofachkraft beziehungsweise einem im Installateurverzeichnis eingetragenen Betrieb vorbehalten. Steckerfertige Geräte und Leuchten dürfen Sie weiterhin selbst anschließen, die Festinstallation dahinter nicht. Riecht es dabei nach Schmorgeruch oder wird eine Sicherung spürbar warm, ist das ebenfalls kein Fall mehr zum eigenen Nachsehen.

Nächster Schritt

Wenn mehrere Warnzeichen zusammenkommen

Elektriker prüft mit einem Messgerät die Absicherung im Sicherungskasten vor einer Bestandsaufnahme.

Erkennen Sie bei sich zwei oder mehr der genannten Warnzeichen wieder, ist ein klärendes Telefonat der sinnvollste nächste Schritt — vor jedem eigenen Eingriff. Wir schildern Ihnen am Telefon, wie eine Bestandsaufnahme grundsätzlich abläuft, was dabei geprüft wird und welcher Umfang danach realistisch infrage kommt. Sie entscheiden anschließend in Ruhe weiter, ohne dass beim Anruf schon etwas beauftragt wird. Die Erstberatung ist kostenlos und unverbindlich.

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